Flensburger Hefte

Islamische Impressionen

Brücken zwischen Orient und Okzident

ISBN: 978-3-926841-96-4
Einband: kartoniert
Informationen: 228 Seiten
Inhaltsverzeichnis: Download als PDF
Preis: 15,00 €

Kurzbeschreibung

Mit Beiträgen von: Ibrahim Abouleish, Rabih Abou-Khalil, Jon Armajani, Mohammed el-Faiumi, Raschad Hassan Khalil, Wilhelm Maas, Mesbah al-Metoali Hamad, Annemarie Schimmel, Peter Scholl-Latour, Hassan el-Shennawi, Wolfgang Weirauch, Mahmoud Hamdi Zakzouk; 16 sw. und 12 farb. Abb.

 

 

In der islamischen Welt von Indonesien bis Westafrika leben mehr als eine Milliarde Menschen. Diese Welt ist weder religiös noch kulturell oder politisch eine Einheit. Ziel dieses Buches ist es nicht, eine umfassende Darstellung des Islam und seiner kulturellen und politischen Auswirkungen zu geben, sondern es werden interessante Mosaiksteine aus dieser für den Westen oft fremden Welt beleuchtet.

Statt den viel beschworenen Kampf der Kulturen zu verstärken, möchten die Autoren Verständnis und Interesse für die arabisch-islamische Welt wecken und Brücken zwischen Orient und Okzident bauen.

Islamwissenschaftler, Politiker, Journalisten, Musiker und Theologen kommen zu Wort und geben Einblick in die Religion Islam, in Scharia, arabische Philosophie, Sufismus, den politischen Islam sowie in die aktuelle Politik. Ein Schwerpunkt ist eine Reise nach Ägypten, wo mit markanten Persönlichkeiten Gespräche geführt wurden - Impressionen aus der faszinierenden Welt Ägyptens und des Islam.

 

 

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Rezension in: Gegenwart Nr. 4/2001
Rezensent: Gerold Aregger

„In der islamischen Welt von Indonesien bis Westafrika leben mehr als eine Milliarde Menschen. Diese Welt ist weder religiös noch kulturell oder politisch eine Einheit. Ziel des vorliegenden Buches ist es nicht, eine umfassende Darstellung des Islam und seiner kulturellen und politischen Auswirkungen zu geben, sondern es werden interessante Mosaiksteine aus dieser für den Westen oft fremden Welt beleuchtet. (...) Islamwissenschaftler, Politiker, Journalisten, Musiker und Theologen kommen zu Wort und geben Einblick in die Religion Islam, in Scharia, arabische Philosophie, Sufismus, den politischen Islam sowie in die aktuelle Politik.“ (S.7) Außer Wilhelm Maas, Annemarie Schimmel, Peter Scholl-Latour sind alle Gesprächsteilnehmer Moslems. Wolfgang Weirauch reiste mit seinem Freund und Arabischlehrer Hazem Saad nach Ägypten, um eigene Eindrücke zu bekommen und Interviews zu führen.

 

Rezension bei Amazon

Rezensentin: Kathrin Ehrenspeck


Super! Toll! –
Erster Pluspunkt: Das Buch ist 2000 herausgekommen, der Autor brauchte also nicht erst das Drama vom 11. September, um sich für den Islam zu interessieren, Er hat das ganz freiwillig getan, einfach weil es „mehr als eine Milliarde“ Menschen muslimischen Glaubens gibt, mit denen wir bald schon die globalisierte Welt teilen werden. Da sollte dieses Buch „eine Brücke“ sein.

Pluspunkt zwei: das Vorgehen! Zu den einzelnen Fragen, die ihn in Bezug auf den Islam beschäftigen, sucht sich Weirauch in Ägypten hochkarätige Interviewpartner (Minister, Hochschullehrer usw.), die er (das ist leider überhaupt nicht selbstverständlich), auch tatsächlich zu Wort kommen lässt. Er kennt sich aus in der Materie, er brüskiert seine Interviewpartner nie mit plumpen Vorurteilen und platten Halbwahrheiten, die sie dann gerade rücken müssen und es jemandem, der keine Ahnung hat, in der Kürze trotzdem nicht erklären können, sondern er stellt sachkundige und pointierte Fragen, hakt nach, hebt hervor, arbeitet heraus – es ist eine Wucht, so ein Interview zu lesen!!! Wie viel Achtung und Respekt kommt schon allein dadurch zum Ausdruck, dass sie so gut vorbereitet sind! Und dann natürlich dadurch, dass Weirauch seine Interviewpartner wirklich reden lässt. Sie sind nicht auf’s Antworten reduziert, sie können sich aus-sprechen, eigene Akzente setzen und nie, an keiner Stelle weiß Weirauch sowieso alles besser, sondern überall, auch dann, wenn das Interview eher ein Streitgespräch ist, lässt er dem Partner das letzte Wort. Auf diese Weise bleiben auch Meinungsverschiedenheiten offen und der Leser wie ein stummer Zeuge hat plötzlich den Eindruck, dass er tatsächlich etwas begreift...

Wunderbar ist auch der inhaltliche Aufbau (Pluspunkt Nummer drei): das, was die meisten beim Thema Islam als erstes denken (sture Koranhörigkeit, Scharia, Krieg, Frauenfeindlichkeit) wird auch in den ersten Kapiteln abgehandelt – und nicht bestätigt oder abgestritten, sondern einfach klar gestellt- manchmal allein durch die offene Struktur des Interviews selber, nicht durch die erleuchteten Sentenzen des einen oder anderen Partners. Beispielsweise endet die Auseinandersetzung um die Rolle der Frau (Weirauch findet, sie wird unterdrückt, und Annemarie Schimmel, Ansprechpartnern für dieses Thema, findet, dies sei nicht der Fall) damit, dass Weirauch feststellt, das Scheidungsrecht mache es den Frauen viel schwerer als den Männern und Frau Schimmel zugibt „Stimmt“. Erst ging es dauernd darum, dass die Frau nicht unterdrückt ist, und jetzt das? Da stellen sich plötzlich Bezüge zu anderen Textstellen her und auf einmal entdeckt der Leser die eigene Projektion bei sich selbst, denn wie viele Scheidungen gibt es denn in islamischen Kulturen, in denen die Familie der höchste aller Werte ist? Von einem Freibrief für hemmungslosen männlichen Despotismus kann man doch nur bei einer Scheidungsrate wie der hiesigen sprechen... – So enden die Interviews zu den klassischen Streitpunkten alle mehr oder weniger im offenen Raum – und die nächsten Kapitel handeln von der Geschichte, dem Israel-Palästina-Problem, dem Gottesbegriff, der islamischen Mystik und Psychologie im Sufismus, usw... bis sie in einem Interview mit einem arabischen Musiker gipfeln, der die arabische Musikgeschichte fortschreibt durch seine Art kosmopolitisch-arabischem Jazz. Und der Höhepunkt und Ausblick besteht dann in einem Interview mit dem ägyptischen Gründer von mittlerweile 200 biologisch-dynamischen Höfen in seiner Heimat, die nach den von Rudolf Steiner entwickelten Prinzipien Wirtschaft, Arbeit, Kunst und Lehre miteinander verbinden – mit exorbitantem Erfolg. Anthroposophie und Islam – es gibt unter den Anthroposophen genügend Leute, die tot umfallen würden, wenn sie das hören. I. Abouleish, der Gründer dieser Höfe (Sekem heißen sie) setzt ungerührt dagegen, Anthroposophie sei keine Heilslehre, sondern eine Methode des Erkenntnisgewinns und als solche auch nützlich für Muslime. Ja, das ist wahr: Nicht dass einer die Inhalte des Anderen übernimmt, ist die Brücke zwischen den Kulturen, sondern dass der eine die Methoden des Anderen für sich selber nutzen kann. Einander dienlich sein also, statt einander zu unterwerfen....

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