Flensburger Hefte

Die Welt im Umbruch

Globalisierung und Kampf aller gegen alle

ISBN: 978-3-926841-79-7
Einband: kartoniert
Informationen: 196 Seiten
Inhaltsverzeichnis: Download als PDF
Preis: 15,00 €

Kurzbeschreibung

Mit Beiträgen von: Hans-Josef Dreckmann, Ekkehard Goetting, Paul E. Groten, Hans-Peter Martin, Stephan Mögle-Stadel, Klaus-Dieter Neumann, Peter Spiegel, Michael Steiner, Hardy Tasso, Wolfgang Weirauch; 11 sw. und 29 farb. Abb.

 

 

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert befindet sich die Welt im Umbruch. In atemberaubendem Tempo schreitet die Globalisierung voran, deren Motor die transnationalen Konzerne und die Finanzdienstleister sind, die weltweit operieren. Aber während für die Wirtschaft und die Informationstechnologie die Erde zum globalen Dorf wird, bleiben die Politiker und das Bewußtsein der Menschen hinter der Entwicklung zurück.

Wir erleben nicht nur nationalistische und protektionistische Rückzugsbewegungen in den westlichen Industrienationen, sondern darüber hinaus die weltweite Tendenz zur Balkanisierung der Nationalstaaten, den Zerfall in immer kleinere Staaten, sich bekämpfende Gruppen und Ethnien. Die zunehmende Zersplitterung der Menschheit, die im Kampf aller gegen alle zu kulminieren droht, erscheint wie das Gegenbild zur Dynamik der ökonomischen Globalisierung.

Doch wir sind der gegenwärtigen Entwicklung nicht ohnmächtig ausgeliefert, sondern vielmehr gefordert, Initiative und Ideen zu entwickeln und gestaltend einzugreifen. Daß eine Kurskorrektur dringend notwendig ist, und daß es für jeden konkrete Handlungsmöglichkeiten gibt, zeigen wir in diesem Band.

Berichte aus dem zerstörten Sarajewo, Ruanda und der Dem. Rep. Kongo.

 

 

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Rezension in: Mitteilungen aus dem anthroposophischen Leben
in der Schweiz, Februar 1998
Rezensent: Kurt Brotbeck

Dieses Heft ist von einer nicht zu überbietenden Aktualität. Boutros Boutros-Ghali sagte es so: “Unser Planet steht unter dem Druck von zwei ungeheuren, einander entgegengesetzten Kräften: der Globalisierung und der Zersplitterung”. Drehscheiben des Welthandels wie Hongkong betören uns. Und uns erschrecken: Trümmerhaufen des Elends, Höllen wie Sarajewo, Bosnien-Herzegowina, Kongo, Ruanda. “Es liegt nur ein dünnes Mäntelchen über dem Wolf im Menschen”, sagt Hans-Josef Dreckmann in Nairobi. Wir beglückwünschen die Redaktoren zu einem solchen Zeitplus-Heft!

Rezension in: Das Goetheanum, 34/1997
Rezensent: Thomas Stöckli

Dialog mit der Welt im Umbruch
Es ist doch nicht selbstverständlich, wenn ein anthroposophischer Journalist aus tiefer Betroffenheit heraus nach Tschernobyl reist oder vor Ort in Sarajevo recherchiert. Es ist nicht selbstverständlich, wenn er dabei den deutschen Sonderbotschafter von Bosnien-Herzegowina, Michael Steiner, für ein Gespräch aufsucht oder wenn er ein Interview mit ARD-Korrespondenten führt. Auch nicht selbstverständlich ist es, wenn er nicht bereit ist zu vergessen – und die Öffentlichkeit vergessen zu lassen –, daß in Ruanda in 100 Tagen annähernd eine Million Menschen abgeschlachtet wurden – denn das ist ein unfaßbares Ereignis! Es ist auch dies alles andere als selbstverständlich – und doch nahm es die Öffentlichkeit fast schon wie selbstverständlich zur Kenntnis. Und wir, die wir uns mittels anthroposophischen Schulungswegs bemühen, "Weltinteresse" zu entwickeln, das zu "vertieftem Mitfühlen" führt und "uns nicht glücklich sein läßt, solange Menschen neben uns leiden"?

Ist das so? Ja, ich weiß, man kann sich nicht um die Probleme der ganzen Welt kümmern, da beschränken wir uns doch lieber auf das "Überschaubare" oder dann auf das "Schöne und Gute". Und wir hatten leider unsere eigenen Probleme: Gefechte im Überschaubaren der Anthroposophischen Gesellschaft. Und auch heute haben wir unsere Gefechte über eine anthroposophische Gesellschaft, zwei Gesellschaften, vielleicht eine dritte oder dann die einzig richtige, welche die erste und zweite beinhaltet. Warum soll uns die wilde Bestie, welche Bosnien heimsuchte, aus dem Schlaf schrecken? Und das Bild eines Schlachthauses Bosnien und das Versagen des Westens? Das sind doch nicht wir. Wir warten doch noch auf 1998! – Ob es dann vielleicht etwas auf sich hat mit dem Tier, das aus dem Abgrund steigt? Mit "dem Bösen, das uns zu Christus führt"? Dem Bösen in Tschernobyl, Bosnien, in Ruanda, und jetzt die größte Umweltkatastrophe in Ostasien, wo Millionen Menschen nicht mehr atmen können, wo die Sonne sich verdunkelt hat?

"Wer sich interessevoll für die Welt öffnet, schafft die Voraussetzungen dafür, im entscheidenden Moment an irgendeinem Ort der Welt helfend eingreifen zu können. Wer die Nebenübungen durchführt, geht ein Stückweit in Richtung Selbsterkenntnis, und er schafft die Voraussetzungen dafür, daß der in ihm schlummernde Drache vielleicht nicht unkontrolliert in die Welt ausbricht, wenn er in eine Extremsituation gerät, die geeignet ist, diesen Drachen hervorzulocken." (Wolfgang Weirauch)

Da engagieren sich Umweltschutz-Organisationen, da riskieren einzelne von Greenpeace bei Aktionen immer mal wieder ihr Leben, da leiden Tierschützer so stark unter den Millionen von leidenden Tieren durch Tiertransporte, in Tierversuchslabors, daß sie sich mit totalem persönlichen Einsatz dagegen zu wehren versuchen. Da gibt es Friedensorganisationen, da gibt es Amnesty International aus dem Grund, weil es für die dort engagierten Leute einfach unerträglich ist, daß Mitmenschen gefoltert werden und niemand an sie denkt und sich für sie einsetzt.

Da gibt es unzählbar viele Menschen heute auf unserer Erde, die sich mit Leib, Leben, Seele und ihrem Geist einsetzen, daß das Gute nicht nur gedacht, nicht nur studiert, sondern getan wird. Aus Erkenntnis handeln sie – nur haben sie nicht die Erkenntnis durch die Geisteswissenschaft –, soweit wir sie verstanden haben. Aber die für sie erlebte und durchfühlte Erkenntnis läßt sie handeln – und im Handeln ändern sie sich selbst.

Warum trennen wir eigentlich so scharf zwischen innen und außen? Das Ich erkennt sich doch im Schicksal in dem, was auf mich zukommt, was in mir und um mich ist – und wie ich darauf reagiere oder aus meinem Gewissen heraus agiere. Das Ich als mystische Innenschau ist vorbei. Warum könnte es nicht wahr sein, daß die Millionen von "Michaeliten" da sind, verkappt. Vielleicht ist ihre Erkenntnis so "esoterisch", daß sie diese in ihrem Tagesbewußtsein nicht in Worte ausdrücken können. Vielleicht ist ihre Erkenntnis bereits in ihren Muskeln, in ihren Knochen, in ihrem Herzen angekommen und arbeitet sich wieder heraus – nicht in schönen Worten, aber in Taten, mit denen sie eine "Wende der Zivilisation" herbeiführen wollen.

Ihre Kunst ist die Lebens-Kunst, die existentielle Kunst, um die Schöpfung durch den Menschen – trotz der Menschen – zu retten. Sie wollen tiefste Ideale verwirklichen – nicht in Büchern, sondern in Menschen, in Tieren, in Pflanzen, in den Regenwäldern, im Ozean bei Walen, aber auch von Angesicht zu Angesicht mit Giftgasen, mit Sterbenden, bei Verletzten mitten im Krieg, in Gefängnissen und Spitälern, weltweit und in Sprachen, von denen wir vielleicht nicht einmal wissen, daß es sie gibt, geschweige denn, daß wir sie verstehen könnten. Sie wirken innerhalb der Gesellschaft aller Menschen, auch wenn sie notgedrungen in Organisationen arbeiten – denn alles, was kleiner als die ganze menschliche Gesellschaft ist, wäre zu eng gedacht.

Zurück zu unserem Journalisten vom Anfang: eigentlich wollte ich nur Wolfgang Weirauch und dem Redaktionsteam der Flensburger Hefte danken für ihren Einsatz als "anthroposophische Journalisten". Weil es eben leider noch nicht selbstverständlich ist, daß wir im echten Dialog mit der Welt sind. Denn Anthroposophie kann sogar egoistischer machen, wenn wir das Herz nicht öffnen für die Welt um uns.

Eben darum braucht es Publikationen wie das Flensburger Heft Nr.57: "Die Welt im Umbruch", das meiner Ansicht nach exemplarisch aufzeigt, wie der Dialog mit der Welt im Umbruch sich entwickeln könnte – jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten –, solange wir merken, was heute alles anders als selbstverständlich auf dieser Welt ist ...

Damit keine Mißverständnisse entstehen. Selbstverständlich sollen wir uns so intensiv wie möglich mit der Anthroposophie auseinandersetzen. Und selbstverständlich braucht es auch Grundlagenarbeit und Schulung, um von innen her den Materialismus zu überwinden, um die Wissenschaft auf ein neues Fundament zu stellen. Und es geht auch nicht um blinden Aktionismus – das ist alles selbstverständlich. Nicht selbstverständlich ist es, daß sich die "unterschiedlichen Strömungen" begegnen, ja nicht nur begegnen, sondern wirklich zusammenwirken, die "anthroposophisch fundierten Geisteswissenschaftler" und die oben beschriebenen, ganz aus den Willensmysterien heraus wirkenden "Michaeliten" oder wie immer man sie nennen will. Zur Resignation besteht eigentlich kein Anlaß – aber zum Aufwachen aneinander, zum gemeinsamen Wirken im Hinblick auf eine echte zivilisatorische Wende – und das ist sicher alles andere als selbstverständlich, das hängt von jedem einzelnen von uns ab.

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