Flensburger Hefte

Wirkungen der Musik

ISBN: 978-3-926841-80-3
Einband: kartoniert
Informationen: 204 Seiten
Inhaltsverzeichnis: Download als PDF
Preis: 15,00 €

Kurzbeschreibung

Mit Beiträgen von: Donald Angle, Rüdiger Bloemeke, Nicolas Conrad, Werner Faulstich, Reinhard Frank, Frank Grube, Juha Daniel Hansen, Holger Heitmann, Thomas Höfer, Elmar Lampson, James Nicolson, Ingo Schultz, Arfst Wagner, Gottfried Wagner, Wolfgang Weirauch; 38 sw. Abb.

 

 

Dieser Band ist so bunt und vielseitig, wie das Thema Musik weitgefächert und die einzelnen musikalische Interessen und Vorlieben der Menschen unterschiedlich sind. 'Wirkungen der Musik' enthält u.a. Beiträge über das Musikhören und die speziellen Musikvorlieben einzelner Gruppen, die Geschichte der Rockmusik, Musikmarketing und elektronisch gespeicherte Musik auf CDs, LPs und Musikvideos. Wir beschäftigen uns ausführlich mit den von dem Nazis ermordeten Komponisten Viktor Ullmann, mit Richard Wagner und den Verstrickungen des Wagner-Clans mit Hitler. Wir berichten über das Schüler-Musical 'Zoom', ein Michael Jackson-Konzert und eine Openair-Darbietung von 'Carmina Burana'. Und wir sprachen mit Musikern und Komponisten über ihr Musikverständnis und ihre Arbeit sowie mit Schülerinnen und Schülern über ihre Vorlieben und Hörgewohnheiten.

 

 

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Rezension in: Mitteilungen aus dem anthroposophischen Leben
in der Schweiz, Februar 1998
Rezensent: Kurt Brotbeck

Dieses ganz auf das gegenwärtige Musikhören konzentrierte Heft umfaßt viele Ströme: Die Problematik der konservierten Musik bespricht Reinhard Frank, Arfst Wagner schreibt über Musik als Kultivierung des Individuums, Ingo Schultz stellt uns den von den Nazis ermordeten Komponisten Viktor Ullmann und seine Oper “Der Kaiser von Atlantis” vor. Aber auch die Wagner-Nachkommen, väterlich begleitet von Hitler, werden dargestellt. Und vieles andere mehr. Sie als Leser können Überraschungen erfahren.

Rezension in: Erziehungskunst, 3/1998
Rezensent: Peter Straubinger

1987 erschien erstmals ein Flensburger Heft (Nr.19) über Musik. Daß es sich die Redaktion vor zehn Jahren nicht einfach gemacht hat, zeigte die Tatsache, daß seinerzeit die Dokumentation einer Redaktionssitzung vorangestellt wurde, in welcher das Ringen um Inhalt und anthroposophische Grundlagen deutlich zur Geltung kam. Es entstand ein fundiertes Bändchen, das Interviews mit Peter Michael Hamel, Diether Rudloff, Joachim Ernst Berendt, Karlheinz Stockhausen, Hermann Pfrogner, Pär Ahlbom, Arvo Pärt und anderen komprimierte.

Nun, die Welt wurde in den letzten Jahren vielfältiger, verwirrender und bunter. Erschienen ist jetzt als Heft 58 mit dem Titel “Wirkungen der Musik” eine weitere musikthematische Sammlung von Interviews und Artikeln. Schon der Einband erfuhr einen Farbigkeitszuwachs mit der Abbildung von Pablo Picassos “Flötenspieler” von 1962.

Die Qualitätsstreuung der einzelnen Beiträge ist relativ groß: Man fragt sich beispielsweise, ob die Beschreibungen eines Konzertbesuchs bei Michael Jackson, einer Aufführung der “Carmina Burana” in Rendsburg und eines Musical-Schul-Projekts in Flensburg dem gewohnten Niveau der Reihe entsprechen. Desweiteren finden wir ein Interview mit Gottfried Wagner vor, der mit seinem im Vorjahr erschienenen Aufzeichnungen “Wer nicht mit dem Wolf heult” das Verhältnis des Wagner-Clans zu “Onkel Wolf” – Adolf Hitler – reflektiert. Über Urgroßvater Richard Wagner kann der Leser allerdings weder im Interview noch im genannten Buchtitel Neues erfahren – hat der sich doch schon zu Lebzeiten in Schriften wie “Das Judentum in der Musik” von 1850 unverblümt geäußert; eher wird er Zeuge, wie der Musikwissenschaftler und Philosoph Gottfried Wagner die dunklen Schatten eines übermächtigen Familienerbes zu bewältigen versucht.

Professor Dr. Faulstich befaßt sich als Medienwissenschaftler mit dem soziologischen Aspekt der “Rockkultur” von Tin Pan Alley bis zum American Folk Revival, British Beat und den Nachfolgern der 1968er Revolte. Dabei untersucht er aus dem Blickwinkel der Literaturwissenschaft besonders die zumeist vernachlässigten Songtexte. Nur ein Beispiel: Die Gruppe “The Doors” zitiert in ihren düsteren Endzeitepen eine altgriechische Tragödie und Friedrich Nietzsche.

Interessant sind die Beiträge von Reinhard Frank über Veränderungen im menschlichen Hörverhalten der letzten Jahrhunderte und das Interview mit dem Komponisten Elmar Lampson, der feinsinnig den Stellenwert einer schöpferischen Wahrnehmungsfähigkeit und seine Beziehungen zur “klassischen Moderne” und zur Eurythmie beschreibt.

Ebenfalls wesentlich ist ein Artikel von Ingo Schultz über den Komponisten und Schönberg-Schüler Viktor Ullmann und dessen erschütterndes Schicksal bis zum Tod in der Auschwitzer Gaskammer. Befreundet mit Albert Steffen und Mitgliedern der Christengemeinschaft, fand er Zugang zur Anthroposophie; das verschollen geglaubte Manuskript seiner Oper “Der Kaiser von Atlantis” war in letzter Sekunde aus dem KZ geschmuggelt worden und wurde erst 1991 im Schrank eines Eurythmiesaales im Goetheanum aufgefunden.

Als Resümee: Im Grunde sind die 26 Mark gut investiert, denn nicht nur Musiklehrer können über Stellenwert und Wirkung des Musikalischen in diesem Bändchen vielfältige Anregungen erhalten. Die Redaktion hat sich zum zweiten Mal auf ein komplexes und schwer greifbares Feld gewagt, und da die Schwachstellen von den Früchten überragt werden, kann man durchaus eine Kaufempfehlung aussprechen.

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